Antisemitismus in Deutschland: Wie Angst und Hass jüdische Gemeinschaften bedrohen
Nelly GirschnerAntisemitismus in Deutschland: Wie Angst und Hass jüdische Gemeinschaften bedrohen
Am Sonntag, dem 24. November 2025, fand im Dokumentationszentrum Vogelsang IP in Schleiden eine Diskussion über den wachsenden Antisemitismus in Deutschland statt. Die von dem CDU-Politiker Armin Laschet und dem ehemaligen WDR-Intendanten Tom Buhrow ausgerichtete Veranstaltung thematisierte die zunehmende Feindseligkeit, der sich jüdische Gemeinden im ganzen Land ausgesetzt sehen. Teilnehmer wiesen darauf hin, dass sich Antisemitismus mittlerweile in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft zeigt – auch unter Migrantengruppen.
Die Audioaufzeichnung der Diskussion bleibt bis zum 24. November 2027 auf der Website der WDR Studios NRW abrufbar.
Jüdische Bürger aus Aachen berichteten während der Veranstaltung von ihren Erfahrungen und beschrieben ein Klima der Angst, wenn sie ihre Identität außerhalb ihrer Gemeinschaft zeigen. Viele äußerten, sich aufgrund der in den letzten Jahren gestiegenen Feindseligkeit unsicher zu fühlen. Im Mittelpunkt der Diskussion standen auch die Veränderungen antisemitischer Haltungen seit dem Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023.
Als zentrale Instrumente zur Bekämpfung von Vorurteilen wurden Bildung und offener Dialog hervorgehoben. Die Redner betonten, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche – insbesondere aus Migrantenfamilien – über den Holocaust und moderne Formen des Antisemitismus aufzuklären. Der Standort Vogelsang IP, einst ein Zentrum des nationalsozialistischen Terrors, dient heute als internationale Plattform für Demokratie und politische Bildung.
Die deutsche Politik hat bereits Schritte unternommen, um das Problem anzugehen. Am 29. Januar 2025 verabschiedete der Bundestag den Antrag 20/14703, der eine strengere Verfolgung antisemitischer Vorfälle an Schulen und Hochschulen fordert. Gleichzeitig verlangte er besseren Schutz für jüdische Schüler und Lehrkräfte, ohne dabei die Meinungsfreiheit einzuschränken. Nach dem Anschlag in Sydney im Dezember 2025 verstärkten die Bundesländer den Schutz jüdischer Einrichtungen und weiteten Sensibilisierungsmaßnahmen aus.
Weitere Maßnahmen umfassen die Förderung jüdischer Kulturtage in Sachsen-Anhalt für 2025/26 mit 50.000 Euro sowie die Aktualisierung des dortigen Anti-Antisemitismus-Programms. Seit November 2024 bildet die Bundespolizei in Zusammenarbeit mit Yad Vashem Multiplikatoren im Bereich Antisemitismus-Prävention aus. Zudem sollten bis September 2025 Holocaust-Bildungszentren in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen fertiggestellt werden.
Die Veranstaltung in Vogelsang IP unterstrich die anhaltenden Herausforderungen durch Antisemitismus in Deutschland und die Notwendigkeit kontinuierlichen Handelns. Politische Maßnahmen, Bildungsinitiativen und öffentliche Debatten bleiben zentral, um Vorurteilen zu begegnen. Die Rolle des Dokumentationszentrums als Ort der Reflexion und des Lernens unterstützt diese Bemühungen nachhaltig.
