Anna Netrebkos triumphale und umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper
Patrik WesackAnna Netrebkos triumphale und umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper
An der Berliner Staatsoper feierte eine mutige Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Un ballo in maschera Premiere – mit Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die Erstaufführung löste im Theater begeisterten Applaus aus, während draußen Demonstranten mit ukrainischen Fahnen gegen die angeblichen politischen Verbindungen der Sängerin protestierten.
Die von Rafael R. Villalobos inszenierte Produktion verwebt queere Ballroom-Kultur und Anspielungen auf die AIDS-Krise mit Verdis Oper aus dem 19. Jahrhundert. Diese künstlerischen Entscheidungen sorgten für gespaltene Reaktionen: Einige Zuschauer jubelten, andere buhten während bestimmter Szenen.
Netrebko betrat als Amelia die Bühne, eine zentrale Figur im Weihnachtsprogramm der Staatsoper. Ihre Darstellung wurde von vielen Besuchern enthusiastisch gefeiert – ähnlich wie bei ihren ausverkauften Nabucco-Auftritten in Berlin und Wien. Doch vor dem Opernhaus versammelten sich etwa 50 Protestierende, die Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat" skandierten.
Hintergrund der Kontroverse sind Netrebkos frühere Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin, darunter eine Geburtstagsfeier 2016 im Moskauer Kreml. Seither habe sie sich öffentlich von Russland distanziert und sei nicht dorthin zurückgekehrt, erklärte Intendantin Elisabeth Sobotka. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, trat an der Staatsoper zuletzt vor Jahren auf – lange bevor Proteste zu einem festen Bestandteil ihrer Auftritte wurden.
Trotz der Kritik ernteten Musiker und Ensemble Lob für ihre künstlerische Leistung. Der Kontrast zwischen dem Triumph auf der Bühne und den Protesten draußen unterstrich die zwiespältige Aufnahme von Netrebkos Rückkehr nach Berlin.
Die Premiere zeigte einmal mehr die anhaltende Spaltung in der europäischen Kulturszene über Netrebkos Auftritte. Während ihre Gesangskunst viele im Publikum überzeugte, machten die Demonstrationen vor dem Haus deutlich, dass die politischen Vorbehalte ungelöst bleiben. Auch die Inszenierung selbst wurde viel diskutiert: Die modernen Deutungen lösten sowohl Bewunderung als auch Kritik aus.






