Albaniens umstrittenes Luxusresort bedroht Europas ersten Wildfluss-Nationalpark
Nelly GirschnerAlbaniens umstrittenes Luxusresort bedroht Europas ersten Wildfluss-Nationalpark
Albanien, ein kleines Balkanland an der Adria, steht selten im Fokus der Weltnachrichten. Doch aktuelle Entwicklungen lenken die Aufmerksamkeit auf seine politischen und umweltpolitischen Entscheidungen. Mit pinkfarbenen Flamingo-Ausschnitten demonstrieren Aktivisten auf einer geschützten Insel – und sorgen damit weltweit für Schlagzeilen.
Das Vjosa-Narta-Delta, ein Rückzugsort für Flamingos, Pelikane und Schildkröten, wurde 2023 zu Europas erstem Nationalpark für Wildflüsse erklärt. Dennoch präsentierte Jared Kushner nach der erneuten Präsidentschaftskandidatur Donald Trumps 2024 Pläne für ein Milliardenprojekt: ein Luxusresort auf der Insel. Die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama verlieh einem mit Kushner verbundenen Unternehmen den Status eines „strategischen Investors“ – angeblich unter Verzicht auf Steuern, Ausschreibungen und Umweltprüfungen.
In der Außenpolitik orientiert sich Albanien stärker an den USA und Israel als an der EU, obwohl das Land um eine Mitgliedschaft im Block wirbt. Es beherbergt Tausende Mitglieder der Volksmudschaheddin (MEK), einer iranischen Exilgruppe, die sich gegen Teheran stellt. Rama unterstützt die MEK und wirft dem Iran vor, Proteste und Cyberangriffe zu schüren.
Die EU kritisiert unterdessen Korruption und schwache Rechtsstaatlichkeit in Albanien. Brüssel könnte von Ramas Regierung mehr Transparenz und Justizreformen verlangen.
Die Resort-Pläne haben Proteste ausgelöst: Umweltschützer betonen die ökologische Bedeutung des Deltas. Albaniens Annäherung an die USA und Israel könnte zudem die EU-Beitrittsverhandlungen erschweren. Der Druck der Union auf Antikorruptionsmaßnahmen zwingt die Regierung möglicherweise zum Umdenken.






