27 January 2026, 10:17

70 Jahre Theater an der Parkaue: Wie DT64 die DDR-Jugend zum Aufstand brachte

Ein gerahmtes Plakat zum 70-jährigen Jubiläum des Kaiser-Huldigungsfests in Berlin, Deutschland, mit einer Gruppe von Menschen in der Mitte und umgeben von Text und Zahlen.

70 Jahre Theater an der Parkaue: Wie DT64 die DDR-Jugend zum Aufstand brachte

Theater an der Parkaue feiert 70. Geburtstag mit einer kraftvollen Neuinszenierung

Das Theater an der Parkaue in Berlin begeht sein 70-jähriges Jubiläum mit einer eindringlichen neuen Produktion. Das Stück On Air On Fire blickt auf die turbulenten letzten Jahre der DDR zurück – durch die Linse von DT64, dem einzigen Jugendradio des Landes. Geschrieben von Marion Brasch, einer ehemaligen Moderatorin des Senders, verbindet das Werk reale Ereignisse mit Fiktion und lässt eine prägende Epoche wiederaufleben.

Das Theater, ursprünglich als Theater der Freundschaft eröffnet, nahm am 16. November 1950 in Ost-Berlin seinen Betrieb auf. Noch heute bleibt es seiner Mission treu, jungen Menschen eine Stimme zu geben – diesmal, indem es einen Moment aufgreift, in dem ihre Stimmen das System erschütterten.

DT64 ging 1964 als Jugendwelle des Radio DDR auf Sendung und wurde zu einem der wenigen Orte, an denen junge Ostdeutsche ihre Gedanken äußern konnten. Gegen Ende der 1980er-Jahre, als die Unruhen zunahmen, fand sich der Sender im Zentrum politischer Spannungen wieder. Marion Brasch, die dort von 1987 bis 1992 als Musikredakteurin und Moderatorin arbeitete, verarbeitete diese Erfahrungen später in On Air On Fire. Das Stück fängt den Widerstandsgeist der Mitarbeiter ein, die sich weigerten, sich der Linie zu unterwerfen – darunter ein Nachrichtensprecher, der es öffentlich ablehnte, den offiziellen Staatsbericht über die Niederschlagung der Proteste am Platz des Himmlischen Friedens zu verlesen.

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Einer der prägnantesten Momente der Inszenierung entstammt dem realen Leben: Im Oktober 1988 übertrug DT64 ein Konzert, bei dem Rio Reiser Der Traum ist aus sang. Als das Publikum den verbotenen Refrain "Unser Land ist es nicht" zurückrief, riss der Sender das Lied aus der Übertragung. Braschs Drehbuch hält auch ihre eigene Rebellion fest – eine von ihr verfasste Resolution, in der sie "ein Ende der unerträglichen Zustände" unter dem Regime forderte.

Die Themen des Stücks spiegeln die fortlaufende Arbeit des Theaters wider. Heute veranstaltet das Theater an der Parkaue Workshops, in denen junge Menschen einander schwierige Fragen stellen – und einander wirklich zuhören. Intendant Alexander Riemenscheider wählte On Air On Fire bewusst für das Jubiläum aus, weil es den Gründungsgedanken des Theaters aufgreift: die Ermächtigung der Jugend. Die Produktion erinnert zudem an die Solidarität, die einst unter den Hörern von DT64 aufkam, als diese monatelang die Senatskanzlei besetzten, um gegen die geplante Abschaltung des Senders zu protestieren.

Eine junge Frauenstimme aus dem Archiv durchdringt das Stück: "Ich würde diesen Ost-West-Gegensatz gern hinter mir lassen", sagt sie einem DT64-Reporter. "Er birgt für mich überhaupt keine Zukunft." Ihre Worte – wie das Stück selbst – schlagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zeigen, wie die Kämpfe einer Generation noch immer die nächste ansprechen.

Die Jubiläumsproduktion On Air On Fire führt das Erbe von DT64 einem neuen Publikum vor Augen. Indem Brasch Dokumentation und Fiktion verschmilzt, stellt sie sicher, dass der aufrührerische Geist des Senders nicht in Vergessenheit gerät. Gleichzeitig unterstreicht das Stück die Rolle des Theaters als Ort, an dem junge Stimmen – damals wie heute – herausfordern, hinterfragen und gehört werden können.